Schottertröge sind befestigte Wannen der Bahninfrastruktur, die an exponierten Stellen das Schotterbett samt Schwellen und Schienen tragen und den Oberbau stabilisieren. In dieser Funktion müssen sie extremen Belastungen standhalten und damit höchste Anforderungen erfüllen. Statt die Teile aufwändig in Ortbeton zu schalen, bietet sich die Vorfabrikation an. So können die Segmente unabhängig von Witterung und Aussentemperatur in einer Halle produziert und als Fertigteile angeliefert werden, was effizient und praktisch ist.
Diesen Vorteilen waren sich die Verantwortlichen der Rhätischen Bahn (RhB) bewusst, als sie 2004 mit dem auf Infrastrukturbau spezialisierten Hersteller Fanger Elementtechnik AG zusammenspannten und begannen, das Konzept der Schottertröge neu zu denken. Die Basis dafür bildete das bewährte System «T-76» für Personenunterführungen und Werkleitungskanäle. Dieses hatte das Betonelementwerk bereits in den 1970er-Jahren mit den SBB entwickelt, inklusive Typenzulassung des Bundesamts für Verkehr. Seither hat der Familienbetrieb aus dem Kanton Obwalden über 300 entsprechende Projekte in der ganzen Schweiz realisiert.


Komplexe Ausführung, rasche Montage
Ausgehend von «T-76» entstand eine adaptierte Lösung für vorgefertigte Schottertröge. Da beim Bahntrassee geringere Aufbauhöhen zur Verfügung stehen, müssen diese kompakter hergestellt werden als etwa bei einem Werkleitungskanal: Trogplatte, Stege und Kragplatte sind dünner. Dazu kommt, dass die Trogelemente mit einer Länge von 2 bis 2,5 Metern und einem Gewicht von 8 bis 10 Tonnen, in der Stirnfläche häufig vieleckig ausgebildet sind, eine Geometrie, die höchste Genauigkeit bei der Planung und Umsetzung erfordert. Die Anordnung von Schubnocken, Fugenbändern sowie die Einlagen für die Vorspannung erfordern ebenso grosse Aufmerksamkeit, und sie müssen gut aufeinander abgestimmt werden.
Die Herstellung der Segmente im Werk erfolgt im Kontaktbetonverfahren, bei dem das bereits bestehende Teil quasi als Schalung für das neue dient. Das Verfahren erlaubt eine objektspezifische Fertigung, die sich koordinatengetreu an vorliegende Kurven und Quergefälle hält. Zusammen mit den Schubnocken in den Stirnflächen lässt sich mit diesem Herstellungsverfahren eine hohe Pass- und Massgenauigkeit erzielen. In der Regel lässt sich so pro Tag ein Element herstellen.
Der Einbau auf der Baustelle erfolgt mithilfe eines Schienenkrans, wobei das Versetzen eines Elements durchschnittlich 20 Minuten dauert. Nachdem alle Elemente positioniert sind, spannen die Arbeiter sie vor Ort sukzessive vor und vergiessen kurz darauf die Fugen in der Kontaktnut. Nach einer Erhärtungszeit von einer halben Stunde kann bereits der Schotter und danach der Gleisrost eingebaut werden.
Vom Prototyp zum Standard
Ein für die RhB entwickelter Schottertrog am Standort Calaus in Disentis markierte 2006 als Prototyp einen Meilenstein in der Entwicklung dieser vorfabrizierten Elemente. Seither erneuerte die RhB auf ihren Strecken rund 50 Brücken auf diese Art. Die guten Erfahrungen trugen massgeblich dazu bei, dass sich die vorgefertigte Bauweise auch bei anderen Schweizer Eisenbahnen etabliert hat, darunter die SBB, die Zentralbahn und die Appenzeller Bahnen. Dabei dienen die vorgefertigten Schottertröge nicht nur als Abdichtungsträger, sondern teilweise auch als tragende Bauteile bei doppelspurigen Brücken. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung wurde so aus der anfänglichen Pionierleistung ein zukunftsweisender Standard im Brückenbau.
Fachbuch
«Gestaltete Infrastruktur»
Auszüge für diesen Beitrag wurden mit Genehmigung des Herausgebers Karl Baumann dem Fachbuch «Gestaltete Infrastruktur – Die Brücken der Rhätischen Bahn in der zweiten Generation» entnommen. Das 2024 erschienene Werk mit 272 Seiten ist im Buchhandel zum Preis von rund 70 Franken oder direkt beim Verlag Scheidegger & Spiess erhältlich.
ISBN 978-3-03942-216-6



































