Christoph Hofer, im Mai 2025 haben Sie das Präsidium von SwissBeton übernommen. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?
Ich schätze die starke Präsenz von SwissBeton und das Engagement der Mitgliederfirmen. Es gibt verschiedene Fachgruppen, in denen sich Vertreter dieser Firmen engagieren. Das spornt an. Der Verband ist übersichtlich, man kennt sich persönlich und kann Dinge direkt anpacken. Verbandsarbeit ist für unsere Branche enorm wichtig – und ich möchte aktiv etwas bewegen.
Was genau möchten Sie bewegen?
Es sind die gleichen Themen, die schon seit längerer Zeit auf der SwissBeton-Agenda stehen. Unsere Branche hat grosses Potenzial, das wir stärker sichtbar machen müssen – sei es beim Image der Betonvorfabrikation, bei neuen technischen Lösungen oder bei der Aus- und Weiterbildung. Wir haben zwar eine solide Grundbildung, aber zu wenig Nachwuchs.
Welche Themen stehen für Sie als Präsident im Vordergrund?
Die drei Kernbereiche sind die Imagepflege, die technische Weiterentwicklung und die Bildung. Und natürlich das ganze Spektrum der Nachhaltigkeit. Hier haben wir 2025 wichtige Grundlagen geschaffen – etwa die verifizierten EPD-Durchschnittswerte und unser Fahrplan zur Dekarbonisierung. Gleichzeitig bleiben Zuschlagstoffe und Bindemittel grosse Herausforderungen. Wir brauchen zwingend nachhaltigere Lösungen.
Gleichzeitig wird das Potenzial der Betonvorfabrikation aktuell in der Schweiz nicht ausgeschöpft. Als Verband können wir mit gezielten Imagebotschaften viel bewirken. Dies gilt auch beim Thema Aus- und Weiterbildung. Wir haben sehr attraktive Berufe und Arbeitsbedingungen, die wir bekannter machen möchten.
Und wie kann sich die Branche stärker positionieren?
Wir müssen viel direkter aufzeigen, welche Vorteile Beton und insbesondere die Vorfabrikation bieten.
Zum Beispiel:
– der geringere Materialverbrauch und damit die Effizienz und Wirtschaftlichkeit,
– die unglaublich hohe Langlebigkeit unserer Produkte,
– die regionale Produktion mit lokalen Rohstoffen,
– die Möglichkeiten bei der Kreislaufwirtschaft,
– und schliesslich die enorme Gestaltungsfreiheit, welche die Betonvorfabrikation bietet.
Mit dem GRAU-Magazin und unserem neuen LinkedIn-Kanal haben wir bereits gute Kommunikationsinstrumente. Jetzt gilt es, mit diesen Mitteln – und hoffentlich in Zukunft auch mit weiteren – unsere Botschaften noch gezielter an die entsprechenden Zielgruppen zu tragen und unsere Reichweite auf allen Kanälen zu erhöhen.



Welche Argumente empfinden Sie als die stärksten, wenn es um den Einsatz vorfabrizierter Betonelemente geht?
Wenn wir Beton mit anderen Baustoffen und die Vorproduktion mit anderen Produktionsmethoden vergleichen, dürfen wir ohne zu übertreiben sagen: Wir haben bezüglich Qualität und Möglichkeiten eine einsame Spitze erreicht. Wir arbeiten mit einem Baustoff, der unglaublich viele Anforderungen erfüllt. Und wir produzieren individuell gestaltete Elemente, die punktgenau nach Mass hergestellt und Just-in-Time auf die Baustelle geliefert werden. Dazu kommt, dass unsere Elemente, obwohl sie vielleicht nicht so aussehen wie natürlicher Stein, vollumfänglich aus natürlichen, regionalen Rohstoffen bestehen, wenn man vom Armierungsstahl absieht. Doch auch dieser wird in der Schweiz hergestellt, grösstenteils aus rezykliertem Schrott. Er ist also ebenfalls ein Material, das von hier stammt.
Wie steht die Betonvorfabrikation im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit da?
Sie ist ökologisch und wirtschaftlich – vorausgesetzt, man setzt Betonelemente gezielt ein. Beton ist langlebig, extrem druck- und witterungsbeständig und dank Armierung sehr materialeffizient. Viele andere Materialien sind abhängig vom Import. Dazu gehört bekanntlich auch Holz. Wenn wir alles aus Holz bauen würden, hätten wir ein riesiges Ressourcenproblem. Am effizientesten baut man dort, wo es am günstigsten ist, und für Beton muss man nicht weit fahren. In Sachen Nachhaltigkeit haben wir in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht, etwa mit klinkerreduziertem Zement und mit Recyclingprodukten.
Warum werden diese Vorteile in der Baubranche noch zu wenig wahrgenommen?
Wir müssen die neuen Generationen besser erreichen – sowohl in der Ausbildung als auch in Bauverwaltungen. Social Media, klare Botschaften und moderne Kommunikationsformen sind dafür zentral. Denn aktuell findet ein heftiger Imagewettbewerb zwischen Baustoffen statt. Und bisher posaunen andere Branchen ihre Argumente etwas lauter heraus als wir. Unser Ansatz ist etwas leiser, denn wir plädieren dafür, den richtigen Baustoff am richtigen Ort einzusetzen.
Und wie gelangt diese Botschaft an die richtigen Stellen?
Ein grosser Aktionsbereich, den ich sehe, sind die Hochschulen. In Architektur- und Bauingenieurstudiengängen wird zu wenig vermittelt, was vorfabrizierte Betonelemente leisten können. Dabei stellen Architektinnen, Planer und Ingenieure die entscheidenden Weichen für Bauverfahren. Gerade im Hochbau ermöglicht die Vorfabrikation einen effizienteren Bauablauf – dieses Wissen muss in die Ausbildung einfliessen.
Wie sieht die Situation im Tiefbau aus?
Im Tiefbau werden bereits viele vorfabrizierte Elemente eingesetzt – von Entwässerungssystemen bis zu Kabelanlagen, die aktuell in Zusammenhang mit der Energiewende gebaut werden. Gleichzeitig steigt insbesondere im Infrastrukturbereich der Anteil an Sanierungen. Das erfordert von uns mehr Agilität und schnelle, projektspezifische Lösungen. Es braucht auch hier ein besseres Verständnis dafür, wo Beton der richtige Baustoff ist – und wo nicht. Das Zusammenspiel der Materialien wird wichtiger.
«Wenn wir das Wissen aus der Betonvorproduktion erhalten und weitergeben, bleibt der Werkplatz Schweiz konkurrenzfähig.»
Christoph Hofer, Präsident SwissBeton
Sie arbeiten bereits an einem neuen Weiterbildungsangebot. Was ist geplant?
Nach der Grundausbildung zum Betonwerker EFZ gibt es heute keinen fachspezifischen Weiterbildungsweg. Baustoffprüfer oder Bauführer decken unsere Produktionsrealität nur am Rand ab. Wir wollen einen Lehrgang entwickeln, der direkt auf die Grundbildung aufbaut und Berufsleute langfristig im Beruf hält. Damit stärken wir auch die Attraktivität des Berufsfelds.
Zur Attraktivität des Berufs gehört auch ein gewisses Mass an Berufsstolz. Worauf sollten Mitarbeitende von vorproduzierenden Unternehmen stolz sein?
Wir schaffen etwas, das Generationen überdauert – im Hoch- und Tiefbau, sowie in der Infrastruktur. Etwas, das wir später unseren Enkeln zeigen können. Und wir leisten einen Beitrag zur Gesellschaft. Vorfabrizierte Elemente schützen Menschen und Umwelt, etwa in der Abwassertechnik oder im Hochwasserschutz. Viele Infrastrukturen würden ohne unsere Bauteile gar nicht funktionieren.
SwissBeton ist im Vergleich zu anderen Branchenorganisationen eher ein kleiner Verband. Wie gelingt es trotzdem, sich in die schweizweite Diskussion einzubringen?
Nur über Kooperationen. Wir arbeiten eng mit BETONSUISSE, mit Baustoff Kreislauf Schweiz und im Bildungsbereich mit dem Schweizerischer Baumeisterverband zusammen. Gemeinsam erreichen wir Wirkung.
Was wünschen Sie sich für die Branche in den nächsten zehn Jahren?
Eine starke Weiterbildung, mehr Nachwuchs und vor allem ein breiteres Verständnis für die Möglichkeiten der Vorfabrikation. Wenn wir das Wissen erhalten und weitergeben, bleibt der Werkplatz Schweiz konkurrenzfähig.
Und warum braucht es die Betonvorfabrikation auch in 50 Jahren noch?
Weil sie effizient, wirtschaftlich und ressourcenschonend ist – und weil viele Bauaufgaben ohne sie gar nicht lösbar wären. Entscheidend wird sein, dass wir die Planer ins Boot holen und gemeinsam die richtigen Lösungen entwickeln.
Was wünschen Sie sich von der Baubranche insgesamt?
Dass wir unsere Kooperationskultur bewahren. Gute Bauwerke entstehen nur, wenn Behörden, Planende, Ausführende und Zulieferer am gleichen Strang ziehen. Uns verbindet das Ziel, etwas zu bauen, das sehr lange hält.
Die Betonvorfertigung an der Swissbau 2026
Im Rahmen des Auftritts von BETONSUISSE präsentiert sich die Branche der Betonvorfabrikation an der Messe Swissbau 2026 in Basel. In spannenden Fachreferaten und Paneldiskussionen zeigt sie auf, warum sie wesentlich zur Zukunft der Baubranche und zur Kreislaufwirtschaft beitragen kann.

