Jetmir Ramadani, was bedeutet Beton für Sie?
Beton ist weit mehr als ein Baustoff. Ich denke dabei auch an Dauerhaftigkeit, Sicherheit und die Verantwortung im Bauwesen.
Was gefällt Ihnen an Beton besonders gut?
Ich finde Beton rundum überzeugend. Die Kombination aus technischer Leistungsfähigkeit und architektonischer Ausdruckskraft gefällt mir. Mit Beton kann man grosse Spannweiten überbrücken, Beton hat eine hohe Tragfähigkeit und eine enorme gestalterische Vielfalt. Kaum ein anderer Baustoff bietet Vergleichbares. Die Betonvorfertigung wiederum steht für Planbarkeit, wirtschaftliche Vorteile und Nachhaltigkeit.
Liegen darin auch die Gründe, dass Sie – heute Inhaber und Werkleiter der Braun Betonfertigteile AG – ursprünglich die Lehre als Betonwerker EFZ absolviert haben?
Ja, und mir hat zudem der handwerkliche Aspekt des Berufs zugesagt, kombiniert mit Präzision und einem sichtbaren Resultat. Beton ist ein Werkstoff, mit dem man greifbare Ergebnisse erschaffen kann. Das hat mir von Anfang an gefallen.
Wie wurden Sie auf diesen Lehrberuf aufmerksam, den es in der heutigen Form seit rund 20 Jahren gibt?
Als es bei mir Mitte der 2000er-Jahre um die Berufswahl ging, stand für mich schnell fest, dass ich in die Braubranche einsteigen möchte. Durch Gespräche mit Fachleuten bin ich schliesslich auf die Betonwerkerlehre aufmerksam geworden. Ich fand spannend, dass sie grundlegende handwerkliche Fähigkeiten aus unterschiedlichen Berufen vereint. Denn bekanntlich arbeiten wir nicht ausschliesslich mit Beton, sondern bei der Schalung auch mit Holz.
Wie erlebten Sie die Veränderungen innerhalb des Ausbildungswegs?
In der Berufsschule waren wir Betonwerkenden zuerst mit den Maurerinnen und Mauern in der gleichen Klasse. Erst später besuchten wir den auf Betonfertigteile spezialisierten Unterricht – stark praxisbezogen, mit viel Gewicht auf Werkstoffkunde, Produktionsprozessen und Grundlagen der Statik. Schweizweit waren wir Betonwerkenden zu dieser Zeit eine überschaubare Gruppe. Der Pioniercharakter hat den Lehrgang für mich zusätzlich spannend gemacht. Es herrschte eine besondere Aufbruchstimmung, die meine Kollegen und mich motivierte.
Wie blicken Sie heute auf Ihre Lehrzeit zurück?
Meine Lehre absolvierte ich in einem etablierten Betonfertigteilwerk, das viel Wert auf Präzision und Qualitätsarbeit legte. Ich finde, dass die Grundausbildung sehr solide war. Bis heute bildet sie die Basis meines beruflichen Handelns.
Viele meinen, die Lehre sei eine Sackgasse, und Sie beweisen das Gegenteil. Denn heute sind Sie Geschäftsführer eines selbst gegründeten Betriebs. Welchen Weg sind Sie gegangen?
Ich sehe die Lehre nicht als Endpunkt, sondern als Fundament. Auch nach dem Lehrabschluss habe ich mich kontinuierlich weitergebildet – sowohl fachlich als auch unternehmerisch. Zunächst übernahm ich zusätzliche Verantwortung in der Produktion, später in der technischen Leitung. Schritt für Schritt entwickelte sich daraus der Gang in die Selbstständigkeit.
Vor knapp zehn Jahren haben Sie als Jungunternehmer Ihre eigene Firma gegründet. Wie kam es dazu?
Zuvor war ich während zehn Jahren Angestellter. So konnte ich vielfältige Kenntnisse sammeln. Der Wunsch, eigene Ideen vermehrt einzubringen und Prozesse selbst zu gestalten, wuchs im Verlauf der Zeit. Mit zunehmender Berufserfahrung erkannte ich, wo die Potenziale im Markt liegen: Bei der Qualität und Präzision der Produkte, effizienten Strukturen in den Arbeitsabläufen und der Verlässlichkeit gegenüber der Kundschaft. Es reizte mich, diese Themen aktiv anzugehen. Mit Mitte 30 fühlte ich mich schliesslich bereit. Und so gründete ich gemeinsam mit meinem Bruder Ilir Ramadani die Braun Betonfertigteile AG – er ist technischer Kaufmann, das ergänzt sich gut mit meinen Fähigkeiten.



Warum haben Sie sich für die berufliche Selbstständigkeit entschieden?
Unternehmerische Verantwortung bedeutet für mich, Gestaltungsspielraum zu haben. In meiner Rolle als Geschäftsführer kann ich strategische Entscheidungen eigenständig treffen und Innovationen vorantreiben. Das empfinde ich als Privileg.
Wie verlief die erste Zeit nach der Gründung?
Mein Bruder und ich starteten zu zweit – zunächst an einem anderen, kleineren Standort, ebenfalls hier in Herzogenbuchsee. Wir wählten diesen Ort, weil er logistisch gut erschlossen ist: Im Dreieck zwischen Bern, Basel und Zürich. Die anfallenden Aufgaben teilten wir gemäss unseren Kernkompetenzen auf: Ilir war für die Administration zuständig, während ich die Betonelemente anfertigte. Wir hatten das Glück, eine bereits bestehende Werkstatt übernehmen zu können. Da dieser frühere Betrieb den Namen «Braun» trug, haben wir diesen übernommen.
Was waren zu Beginn die grössten Herausforderungen?
Die Anfangsphase erforderte Mut, Durchhaltevermögen und klare Prioritäten. Investieren, den Markt aufbauen, Personal gewinnen, Prozesse strukturieren – alles musste parallel erfolgen. Als besonders anspruchsvoll erlebte ich es, die wirtschaftliche Stabilität mit Wachstum in Einklang zu bringen.
Wie ging die Entwicklung vom Zwei-Mann-Betrieb zur heutigen Firma weiter?
Uns war und ist die Vernetzung und die Akquise sehr wichtig. Nachdem wir erste Referenzen vorzuweisen hatten, konnten wir unsere Position in der Baubranche weiter stärken. Damit verbunden vergrösserte sich die Auftragslage, was es uns möglich machte, das Team zu erweitern. Weil wir auch mehr Platz brauchten, zogen wir nach drei Jahren Geschäftstätigkeit an den heutigen, weitläufigeren Standort um. Mittlerweile haben wir 21 Mitarbeitende über alle Bereiche hinweg, davon 16 in der Produktion.
Short Cuts
«In Sion haben wir 2024/25 eines unserer bisher umfangreichsten Projekte umgesetzt: die Fassaden der Siedlung «Cour de gare». Diese umfasst acht grosse Gebäude, in denen neben Wohnungen auch Einkaufsflächen, ein Hotel und Büros untergebracht sind. Insgesamt haben wir für dieses neu erschaffene Quartier rund 900 Elemente nach Mass hergestellt. Sie fallen auf, weil sie gelb sind.»

Bild: Braun Betonfertigteile AG
«Mich beeindruckt die kürzlich erfolgte Sanierung des «Swiss Life Brannhof» in Zürich. Dabei kamen vorgefertigte Betonelemente mit einer besonderen Kunststein-Rezeptur zum Einsatz. Die neu eingesetzten Teile sind kaum von den historischen zu unterscheiden, die über 100 Jahre alt sind. Das ist hohe Handwerkskunst.»

Bild: AWAG Bärlocher GmbH
«Wie im zuvor erwähnten Beispiel beschäftigt mich das Thema Kunststein. Damit lassen sich Natursteine täuschend echt imitieren. So ergeben sich besondere ästhetische Effekte, die weit über die funktionalen Eigenschaften von Beton hinausgehen. Ich habe mir daher das Ziel gesetzt, die Braun Elementtechnik AG in diesem Bereich noch weiter voranzubringen und zu positionieren.»
Wie lässt sich Ihre Firma in Kürze beschreiben?
Wir sind ein Familienbetrieb und legen viel Wert auf kurze Entscheidungswege, Effizienz und Loyalität. Mein Bruder leitet den Bereich Offertwesen und ich habe die Werkleitung inne. Unser Repertoire deckt neben der Herstellung von Betonfertigteilen auch die Konzeption und Montage ab. Mittlerweile sind wir schweizweit in Bauprojekte involviert. Bisher haben wir zwei Betonwerker ausgebildet, und wir planen, diese Lehre weiterhin anzubieten, um den Nachwuchs zu fördern.
Sind Sie heute noch als Betonwerker tätig?
Im operativen Sinne, also in der Werkhalle, nur noch selten. Denn meine Hauptaufgaben sind nun die strategische und technische Führung. Der Bezug zur Produktion bedeutet mir aber nach wie vor viel. Ich bin regelmässig dort anzutreffen und pflege den direkten Austausch mit dem Team. Dass ich selbst gelernter Betonwerker bin, fördert mein Verständnis für die Anliegen und Bedürfnisse der Mitarbeitenden.
Was raten Sie jungen Betonwerker*innen, die ihre Lehre soeben abgeschlossen haben?
Die Karrierechancen sind besser, als man gemeinhin erwarten könnte. Wer sich nach Lehre weiterbildet, etwa in den Bereichen Technik, Führung oder Betriebswirtschaft, kann vielfältige Wege einschlagen: von der Produktionsleitung zur Planung bis hin zur Unternehmensführung. Ich empfehle allen Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern, neugierig zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Fachwissen ist die Grundlage, unternehmerisches Denken und Kommunikation eröffnen zusätzliche Perspektiven. All jenen, die Initiative zeigen und sich für ihren Beruf begeistern, stehen in unserer Branche viele Türen offen.
Und wann sind Sie selbst durch und durch in Ihrem Element?
Wenn Teamdynamik, technische Komplexität und strategische Entscheidungen zusammenkommen. Und wenn Qualität, Wirtschaftlichkeit und Innovation gleichermassen gefragt sind. Für mich entfaltet sich bei anspruchsvollen Projekten die volle Faszination der Betonvorfertigung.
«Der Pioniercharakter und die Aufbruchstimmung in der neu geschaffenen Lehre haben mich extrem motiviert.»
Jetmir Ramadani

Jetmir Ramadani
Jetmir Ramadani (45) ist Mitbegründer der Braun Betonfertigteile AG mit Produktionsstandort in Herzogenbuchsee im Kanton Bern. Seit den Anfängen im Jahr 2017 ist er als Geschäftsführer tätig. Als Erstausbildung hat der Aargauer eine Lehre als Betonwerker EFZ absolviert. Es folgten berufliche Stationen bei mehreren Betrieben im Bereich Betonvorfertigung sowie Weiterbildungen in Betriebswirtschaft.
Betonwerker*in EFZ
Die Berufsbezeichnung Betonwerker*in mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) gibt seit rund 20 Jahren. Zuvor war die Betonvorfabrikation in andere verwandte Berufe integriert, zum Beispiel ins Profil Maurer*in EFZ. Die Ausbildung wurde neu reglementiert, um künftige Fachkräfte gezielt im Umgang mit Beton sowie dessen Rezepturen, Mischungen, Farben, Texturen zu schulen. Auch der Bau von Negativformen, also Schalungen aus Holz, gehört dazu. Der Fachverband SwissBeton initiierte diese Neupositionierung gemeinsam mit dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV).

